Hadamar Schloss Steinbruch

Datierung
Es stammt von einer 1957 verschickten Postkarte. Der Aufdruck „Cekade Haar 2 55 5“ lässt darauf schließen, dass die Karte 1955 produziert wurde und das Foto wohl auch im gleichen Jahr entstand.
Blickrichtung
Der Fotograf befand sich entweder in einem sehr niedrig fliegenden Flugzeug, an einer Dachluke der Liebfrauenkirche oder vielleicht auch irgendwo dahinter oben auf dem Abhang von „Klein Texas“ bzw. des dortigen ehemaligen Steinbruchs.
Bildauswertung
Zu sehen ist der Stadtkern von Hadamar aus Richtung Norden. Am linken, östlichen Ende der Nepomukbrücke ist der Komplex aus dem Hofgut Melander und der Kalkmühle, dem sehr hohen Gebäude mit dem Rundbogenfenster, gut zu erkennen. Diese gesamte Häusergruppe gibt es heute nicht mehr. Dort befinden sich das Eisen- und Haushaltswarengeschäft Beer in einem Neubau mit angrenzendem Geschäftshaus und der Parkplatz des Hotels Nassau-Oranien. Im Kern ging die Anlage auf das Mittelalter zurück. Vermutlich handelte es sich ursprünglich um den Sitz der niederadligen Familie von Hadamar mit dem quadrierten Schild. Sie waren vermutlich an dieser Stelle angesiedelt, um den Übergang über den Elbbach zu bewachen. Die Familie erlosch 1605 im Mannesstamm, war da aber schon nicht mehr in Hadamar ansässig, sondern bei Weltersburg. Ab 1566 war der Hof am Flussübergang Sitz der Familie Eppelmann, später auch „Melander“ nach dem griechischen malon (Apfel) und andros (Mann). Heute noch heißt der angrenzende Platz an der Kurve und der Einmündung der Borngasse Melanderplatz. Bekanntester Vertreter der Familie war der spätere Heerführer im 30-jährigen Krieg und Reichsgraf Peter Melander von Holzappel, 1589 entweder im Hof an der Brücke oder in Niederhadamar geboren.
Peter Melanders Tochter Elisabeth Charlotte verkauft 1654 das Stammhaus in Hadamar stückweise. Als folgende Besitzer sind die Adelsfamilien von Reiffenberg und von Irtraut genannt. 1684 ist der Hof in bürgerlichem Besitz nachgewiesen. Der Geschichtsforscher Jakob Wagner gibt 1863 einen Augenzeugenbericht ab, weil sein Elternhaus ein Teil des Gebäudekomplexes war. Er berichtet von der Jahreszahl 1555 über dem Eingang, wohl wesentlich älteren Kellergewölben, Geheimfächern in den Wänden und zu seinen Zeiten von einem Gerbereibetrieb. Später war dort die Eisenwarenhandlung Schweizer angesiedelt.
Das hohe Gebäude ist die Kalkmühle, die vor allem Kalk aus den Brüchen in der der Hallschlag nördlich der Stadt verarbeitete. Zuvor war dort die Stadtmühle, die größte Hadamarer Mühle, 1203 erstmals erwähnt. 1903 brannte die alte Mühle ab und wurde durch den hier sichtbaren Neubau ersetzt. 1922 war es eine Farbmühle, 1933 Kalkmühle, die vor allem Kalkstaub für die chemische Industrie herstellte. 1964 wurde die Mühle stillgelegt, in den 1970ern brannte sie ab.
Besonders ist auch der Kalksteinbrucs am Elbbach in der oberen Bildhälfte zu sehen, hier wohl nahezu in der größten jemals erreichten Ausdehnung. Denn er wurde 1958 nach bereits zuvor krisenhaften Jahren endgültig stillgelegt. Hier sind mehrer Hänge bereits stark bewachsen. Nur ganz links scheint noch ein aktiver Abbau im Gange gewesen zu sein. Der gerade vom Betrachter weg führende Weg links dürfte die Fortsetzung der Nonnengasse sein. In diesem Bereich dürfte heute das Sozialzentrum der Arbeiterwohlfahrt stehen. Ebenfalls auf der linken Seite vor dem Steinbruch beschreibt die Straße Hammelburg wie heute einen Bogen, noch ohne flankierende Häuser, offenbar aber als Allee mit Bäumen angelegt.
Im Hintergrund sehen wir Teile der Feldgemarkung von Hadamar und Niederhadamar, vor allem den Bereich Rote Erde. Auffällig sind einerseits die vielen Obstbäume, andererseits die ansonsten sehr aufgeräumte Landschaft. Allerdings ist rechts, über der markanten Felsnase mit Schlagschatten im Steinbruch, die Buschgruppe in der Gemarkung Alte Kuh zu sehen, die heute freilich viel ausgedehnter erscheint.
Im Hintergrund ist das Offheimer Wäldchen zu sehen und die Masten der bereits vorhandenen Hochspannungsleitung, die Umspannwerke bei Betzdorf und Offheim verbindet. Einige Häuser von Offheim sowie der dortige Kirchturm sind zu erkennen. Rechts sind Teile von Elz nur sehr undeutlich auszumachen. Die Erhebung ganz im Hintergrund dürfte der Mensfelder Kopf sein.
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