Hadamar August Reinhardt

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Zeichnung von einer 1908 gelaufenen Postkarte: Stadtansicht von Hadamar sowie Gaststätte "Deutscher Kaiser" und Ziegelei im Besitz von August Reinhardt

Datierung

Die Postkarte wurde 1908 verschickt. Das Motiv dürfte von einigen Jahren früher stammen, denn auf der großen Darstellung fehlt links oben noch das 1905 fertiggestellt Konvikt.

Blickrichtung

Die Innenstadt von Hadamar ist vom Steinbruch her gezeigt, also aus Richtung Süden. Das Ensemble aus der Gaststätte und dem Nebenhaus wird von der Neuen Chaussee bzw. vom Bahnhof her gezeigt, also aus Norden. Die Ziegelbrennerei lässt sich nicht genau einordnen.

Bildauswertung

Es ist anzunehmen, dass August Reinhardt als Besitzer des links gezeigten Restaurants „Zum Deutschen Kaiser“ und als Inhaber der rechts sichtbaren Ringofen-Ziegeleim der Auftraggeber der Postkartenherstellung war, die er zur Werbung für seine Firmen genutzt haben dürfte.

Linkes Motiv: Die beiden dort sichtbaren Gebäude sind heute noch auf den ersten Blick im Stadtbild zu erkennen. Es handelt sich um die Gebäude Neue Chaussee 3 (links) und 5 (rechts) zwischen der Bahnlinie und der Schlossbrücke über den Elbbach. Der repräsentative Zaun vor dem linken Gebäude ist verschwunden und dort steht heute ein wenig ansprechender Waschbeton-Kasten für die Energieversorgung. Auch eine Dachgaube hat es nicht bis heute geschafft. Das Restaurant hat leider seinen Fassadenschmuck weitgehend verloren, der vor gut hundert Jahren durchaus vergleichbar mit dem seines Nachbargebäudes war. Der Freisitz auf dem Anbau rechts ist verschwunden und durch einen umbauten Gebäudeteil ersetzt worden. Im ehemaligen „Zum Deutschen Kaiser“ ist heute aber immer noch oder wieder Gastronomie vorhanden: das Restaurant Taberna. In den 1960er und 1970er Jahren soll es dort auch mal eine Disco gegeben haben. Zwischen den beiden Gebäuden erkennt man drei Schornsteine des dort angesiedelten Kalkwerks.

Rechtes Motiv: Dort sieht man das Gebäude einer Ziegelei. Wenn man sich einige der älteren aber nicht mehr in Fachwerk ausgeführten Gebäude in Hadamar anschaut, dann wird klar, dass in der Zeit um die Jahrhundertwende vom 19. auf das 20. Jahrhundert herum ein erhebliche Bedarf an Ziegelsteinen bestand. Insofern war der Betrieb einer Ziegelei vermutlich ein gut gehendes Geschäft. Der erwähnte Ringofen ist eine Erfindung aus dem Jahr 1858, bei der ringförmig angeordnete Ofenkammern so abgebrannt werden, dass der entstehende Luftstrom gleichzeitig zur Trocknung und Kühlung von Material in anderen Kammern verwendet wird. Vor allem Ziegelherstellung und Kalkbrennen war damit effizienter als in einzeln betriebenen Öfen. Die Ziegelei befand sich offenbar auch im Bereich nahe dem Kalksteinbruch und den Kalköfen..[1]

Über August Reinhardt teilt der Deutsche Reichsanzeiger mit, dass er 1898 zusammen mit Friedrich Grether die Gesellschaft Reinhardt & Grether eintrage ließ. 1900 taucht Reinhardt in der Kölnischen Zeitung als „Ringofen-Ziegeleibesitzer zu Hadamar“ auf. Anlass war damals die Ankündigung seiner Heirat mit der Kölnerin Gertrud Detmer. 1902 erfolgte die Auflösung der Firma Reinhardt & Grether. Beide Partner ließen daraufhin unter dem jeweils eigenen Personennamen neue Firmen eintragen. Die Firma August Reinhardt wurde dann 1931 für erloschen erklärt. Im Hessischen Hauptstaatsarchiv sind Akten vorhanden, die den Betrieb einer Ringofenanlage durch August Reinhardt in den Jahren 1897/98 betreffen und offenbar auch Bauzeichnungen enthalten. Die Jahreszahl deutet darauf hin, dass der Ringofen wohl erst kurz vor der Firmengründung 1898 gebaut wurde. Im Archiv gibt es auch Unterlagen, die den Betrieb eines Dampfkassels durch August Reinhardt in Hadamar in den Jahren 1904 und 1909 betreffen.

Im Hauptstaatsarchiv taucht auch das Restaurant Reinhardts auf. Die zugehörige Akte trägt den Titel „Schließung der Gaststätte Hadamarer Hof in Hadamar, Inhaber August Reinhardt, stellvertretend geführt von der Frau Josefine Oeffner“. Der ganze Vorgang zog sich von 1939 bis 1943 und war offenbar ein größerer Verwaltungsakt mit „Untersuchungen, Vernehmungen .., Wiederzulassung, neue Stellvertretungen“. Außerdem stoßen wir hier auf einen neuen Namen, nämlich „Hadamarer Hof“, den die Gaststätte wahrscheinlich nach 1918 angenommen hat. Und schließlich folgt ein weiterer Datensatz mit einem Titel, in dem einige weitere Namen auftauchen: „Gastwirtschaft des August Reinhardt in Hadamar, betrieben von Josef Bausch von Oberweyer, später von der Frau Josefine Oeffner, zuletzt von den Eheleuten Johann Kissler“. Außerdem habe ich noch die Versammlungsmeldung des damaligen Imkervereins aus der Region gefunden, der sich 1896 im Gasthaus „Zum Deutschen Kaiser“ traf. Den Namen gab es also damals schon.

Und schließlich ergibt sich noch eine letzte, überraschend ergiebige Quelle zu August Reinhardt. Seine in Köln angekündigte Hochzeit wurde dort auch kirchlich gefeiert, im Oktober 1900 aber in die Kirchenbücher der katholischen Pfarrei Hadamar eingetragen. Aus dem Eintrag geht hervor, dass Reinhardt, der dort als Kaufmann bezeichnet wird, am 9. Februar 1865 in Hadamar geboren wurde und am 26. Februar 1948 ebenfalls in Hadamar starb. Seine Eltern waren Johann Reinhardt und Catharina geb. Buchholz. Gertrud Detmer wurde am 9. Juli 1881 in Köln geboren, starb am 28. Dezember 1958 in Berlin, wurde dann aber in Hadamar beigesetzt.

Aktuelles Vergleichsfoto

Offene Fragen

Sonstiges

Einzelnachweise

  1. Angaben von Teilnehmern beim Erzählcafé am 2. November 2025 im Hotel Nassau-Oranien.